Besuch der AfD Demo auf dem Erfurter Domplatz am 28.10.2015

AfD Demonstration in Erfurt

Mein Freund Ralf, ein bekennender Linker mit Gorleben Erfahrung, und ich, beschlossen gemeinsam die AfD Demo auf dem Erfurter Domplatz zu besuchen.
Er auf der politisch einen Seite, ich auf der anderen.
Nach dem gemeinsamen Abendessen im Hotel am Theaterplatz, gingen wir um 18:45 Uhr los.
5 Minuten Fußweg trennten uns vom Ort des Geschehens.
Mit uns liefen noch viele Menschen in die gleiche Richtung, so das man merken konnte das in Erfurt was los ist.
Nach kurzer Wegstrecke tönte einem schon laute Musik entgegen, die sich als ein Teil der akustischen Gegendemonstration entpuppte.
Am Nordrand des abgesperrten Domplatzes, sammelte sich vor einem Absperrgitter die Linke Szene, mit einem kleinen Teil aus dem schwarzen Block.
Die Polizei war mit einer unüberschaubaren Menge an Fahrzeugen und Beamten vertreten. Eingänge in den Absperrgitter, zum Zentrum des Domplatzes, wurden mit 5-10 Beamten überwacht. Das Mitführen von Flaschen, spitzen Gegenstände usw. war verboten. Auf die Einhaltung wurde durch Polizei und Ordner. genau geachtet.
Hier, am Absperrgitter, trennten sich unsere Wege. Ralf ging auf seine politische Seite, ich auf meine.
Wir wünschten uns viel Spaß, und verabredeten uns zum „Nachgespräch" im Irish Pub in der Neuwerkstraße.
Der Platz war um kurz vor 19 Uhr, gut zur Hälfte gefüllt. Fahnen, Banner, Plakate Lichter, Kameras und Menschen jeden Alters waren zu sehen.
Die Beleuchtung des direkt neben dem Platz gelegenen Doms war ausgeschaltet.
Am Süd Ende des Platze, wo die Rednerbühne aufgebaut war, hatte man von den Gegendemonstranten fast nichts mehr gehört.
Den Abstand den die Polizei zwischen den Parteien eingerichtet hatte, war gut gewählt.

Gegen 19:15 Uhr trat der 1. Redner auf die Bühne. Ich hatte leider nicht mitbekommen wer es war, seine Worte ließen aber Rückschlüsse auf eine organisatorische Tätigkeit schließen.

Danach kam Wiebke Muhsal, AfD Mitglied im Thüringer Landtag. Sie sprach in ihrer Rede über die verfehlte Familien- und Bildungspolitik. Auch äußerte sie in ihrer Rede die Bedenken über die Integration der vielen Einwanderer. Sie sprach etwa 10 Minuten, und bekam dafür auch einen ordentlichen Beifall.

Die Menge viel immer wieder in Sprechchöre mit der Forderung „ Merkel muss weg" oder Volksverräter, Lügenpresse, wir sind das Volk, je nach dem wie es gerade zum Vorgetragenen passte.

AfD Demonstration in Erfurt

Nach Muhsal kam Frau Dr. Christina Baum vom Baden Württembergischen AfD Landesvorstand. Sie begann mit ihre Rede mit der eigene Geschichte. Vom Wechsel von der ehemaligen DDR in die BRD.
Und sie sagte einen Satz, der mir das Ostdeutsche Phänomen des offenen Widerstandes vielleicht etwas erklärbarer machte.
Sie sagte, dass sie damals nach der Grenzöffnung sich geschworen hatte „sich niemals mehr den Mund verbieten zu lassen". Und das könnte der Schlüssel für die größere politische Aktivität in Deutschlands Osten sein.
Den Schwur haben sich sicherlich viele Ostdeutsche gegeben, und sie halten sich offensichtlich auch daran.
Der Westdeutsche hat die Wichtigkeit des freien Wortes, wegen der immer vorhandenen Selbstverständlichkeit aus den Augen verloren, und merkt deshalb auch nicht wie ihm diese Freiheit genommen wird.
Da ist der Ostdeutsche wegen langjähriger Erfahrungen in Zensur und Sprachverbot durchaus sensibler gestrickt, und geht darum in großer Zahl auf die Straße.

Nach Frau Baum kam der Bundessprecher der JA, Markus Frohnmeier.
Respekt vor dem jungen Mann. Selten eine so klar Vorgebrachte Rede mit ambitionierten Statements und Fakten gehört. Er beschuldigte gleich am Anfang seiner Rede die Altparteien, da sie den Rechtsbruch mittlerweile zum Normalfall erhoben hätten.
Eine ebenfalls durchaus bemerkenswerte Forderung von ihm war die Einführung eines „Flüchtlingssoli", aber komplett finanziert durch Steuermittel des amerikanischen Bürgers. Er sieht die Schuld für vieles in den Handlungsweisen der USA, und sieht sie somit auch in der finanziellen Haftung.
Das Aussprechen solcher Denkansätze verdient Respekt.
Er befasste sich in seiner Rede tiefgreifender mit der Flüchtlingsproblematik als seine Vorredner. Er nannte Fakten und erläuterte die Zusammenhänge in einer gut vorgetragenen Rede.
Auch sein Vergleich über einen Gutmensch und einen guten Menschen fand ich bemerkenswert.
Er sagte, ein guter Mensch gibt etwas von seinem eigenen Geld ab, ein Gutmensch gibt etwas vom Geld der anderen ab.
Damit zielte er auf die Finanzierung der Einwanderer und die Willkommenskultur die von einigen Menschen im Lande gepflegt wird.
Seine Rede war emotional, und es hatte Spaß gemacht ihm zuzuhören.

AfD Demonstration in Erfurt

Nun war Björn Höcke an der Reihe. Die Menge empfang ihn mit lauten „Höcke“ rufen.
Seine erste Handlung war das Licht der Scheinwerfer auf dem Platz zu löschen, und tausende Handylampen und Taschenlampen beleuchtenden jetzt den Dom, dessen Nachtbeleuchtung aus Protest gelöscht war. Eine tolle Kulisse.
Höcke rief dem Bischoff zu, er solle sehen, denn hier würde das Volk stehen.
Er wendete sich mit seinen ersten Worten an Presse und Fernsehen. Er fragte ob er auch mit einer staatsmännisch angelegten Rede ins TV und in die Zeitung komme, oder ob sie lieber etwas mehr Populismus haben möchten.
Die Menge war erheitert, und fing sofort an einheitlich Lügenpresse zu rufen.
Den Reportern war die Situation sichtlich unangenehm.
Höcke legte seine gute und völlig unauffällige Rede auf die gesamteuropäische Problematik an, und forderte in vielen Punkten mehr Nationalstaatlichkeit und den Rücktritt Merkels.

AfD Demonstration in Erfurt

Mir viel plötzlich auf, dass dieses permanente Hintergrundgeräusch der Gegendemonstration nicht mehr hörbar war.
Das die jetzt aufgehört haben um Höcke zu hören, konnte ich nicht glauben.
Also habe ich mich aus der Menge geschält um die Ursache zu erforschen, und mich zum Nordrand des Platzes begeben.
Da war niemand mehr. Es war 20 Uhr, und die Gegendemonstranten, samt meinem Ralf, waren weg.
Da hab ich mir den ersten, wichtig aussehenden, Polizisten geschnappt, und nach der Ursache des leeren Platzes gefragt.
Der sagte mir in einem tiefen Ostdeutschen Dialekt, „es ist kalt, es gibt Fußball und für 20 Euro bleiben die nur eine Stunde, die Luschen". ☺
Dann ist ja leicht Demo zu machen.
Ich fragte ob die 20 Euro von der organisierenden Gewerkschaft kommen.
Nein, sagte er, die kommen direkt von der roten Landesregierung.
Unglaublich, aber wohl kein wirkliches Geheimnis in Thüringen.

Da der Abend nun keine weiteren Höhepunkte mehr versprach, und auch Höcke so ziemlich am Ende seiner Rede war, beschloss ich den Platz Richtung Irish Pub zu verlassen um mir noch ein bisschen Spaß abzuholen.
Ich wusste, da sitzt jetzt mein zerknitterter Ralf im Irish Pub, denkt an die gute alte Zeit in Gorleben, und versteht nicht warum die Linken jetzt bezahlte Luschen sind, die lieber im warmen Fußball gucken als ihre politische Meinung auf der Straße kund zu tun.
Und ich wusste, das ich da jetzt bei einem leckeren Bier den Finger in die Wunde lege kann, und ihn in der Konfrontation mit der Käuflichkeit linker Aktivisten zum Dumpingpreis, politisch demontiere.
Er leidet immer so schön ;-)

AfD Demonstration in Erfurt